Ralf Stegner in Wörth: Stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender besucht Tafel und diskutiert im Rathaus mit Ehrenamtlern

Veröffentlicht am 02.11.2015 in Allgemein

Auf Einladung der Landtagsabgeordneten und Vizepräsidentin des Landtags Rheinland-Pfalz, Barbara Schleicher-Rothmund, besuchte gestern der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner die Tafel in Wörth und sprach anschließend zu Ehrenamtlern im Alten Rathaus.

Bei seinem Rundgang  ̶  parallel zur Essensausgabe in der Tafel  ̶  verschaffte sich der Politiker gemeinsam mit Schleicher-Rothmund sowie weiteren örtlichen SPD-Mitgliedern und Interessierten einen Eindruck von der Flüchtlings- und Bedürftigenhilfe. Thomas Stuhlik, Vorsitzender der Tafel, nutzte die Gelegenheit, dem Gast vom Alltag und den vielfältigen Anliegen zu berichten: Menschen aus 32 Ländern besuchen die Einrichtung derzeit an zwei Tagen in der Woche in mehreren Gruppen und Zeitfenstern; die Menschen werden mit Kleidung, Hausrat und vor allem Nahrungsmitteln, aber auch mit Rat und Tat versorgt.

Stuhlik: „Von den 70 Personen, die im Schnitt kommen, sind ca. 50 bereits vor der Flüchtlingswelle gekommen, zum Teil schon in der zweiten „Generation“. Von den rund 20 Flüchtlingen waren es zunächst vor allem Afrikaner, zunehmend auch Syrer und Menschen vom Balkan.“ Von negativen Vorfällen hatte Stuhlik nicht zu berichten; auch gäbe es keinen Neid zwischen den „alten“ und den „neuen“ Besuchern. Dem Gast aus Berlin gab der Vorsitzende des Vereins die ganz konkrete Frage mit auf den Weg, warum es in Deutschland derzeit noch unmöglich ist, Fleisch, das aus den Regalen der Supermärkte genommen wird, vor Verfall an Bedürftige weiterzugeben. Von den vielen weiteren Ideen würden leider einige zum Teil nur sehr schwerfällig bei den lokalen Behörden aufgegriffen. Stegner würdigte so viel Engagement und mahnte gleichzeitig zu Geduld und Besonnenheit.

Beim anschließenden Vortrag und der Diskussion mit Ehrenamtlern im gut besuchten Alten Rathaus entwickelte sich ein angeregter, zum Teil sehr emotionaler Austausch. Selbst kritische Stimmen zeigten sich nachdenklich bei den Schilderungen und Einschätzungen Ralf Stegners. Nach dem Willkommen durch Barbara Schleicher-Rothmund, Ortsvorsteher Roland Heilmann sowie dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Dennis Nitsche, dankte Stegner zunächst den anwesenden Ehrenamtlern für ihre Arbeit und gliederte seinen Vortrag in drei große Felder: 1) das vordergründige Ziel der Hilfe müsse sein, die Fluchtursachen zu bekämpfen, 2) Europa sei eine Werte- und nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft. Dies müsse endlich von allen Beteiligten begriffen und gelebt werden, sonst habe Europa keine Zukunft und 3) in Deutschland müssten die Verfahren beschleunigt werden, die Grenzen könnten nicht mehr geschlossen werden und: das Land müsse auch die Chancen erkennen, die im Zuzug der Menschen lägen, die ihre Heimat in der Regel nicht leichtfertig hinter sich gelassen hätten.

Er habe angesichts der Aufgaben keine rosarote Brille auf, doch warne er vor Scharfmachern, die die Lage vollkommen überzogen und unrealistisch in eine Richtung zu lenken suchten, so Stegner. Kommunikation und Bewertungen haben sich an den Fakten zu orientieren. Dabei müsse klar sein, dass über allem unser Grundgesetz stünde: die Würde des Menschen ist unantastbar, auch die des Fremden.

Ein Kommentar aus dem Publikum untermauerte diese Einschätzung. Es sei die Zeit des „Teilens“ gekommen. Für einige möge dieser Satz zwar mit Ängsten vor ihrer Besitzstandswahrung verbunden sein, doch bleibe zu bedenken, dass das Wohlstandsgefälle in der Welt auf Dauer keinen Bestand gehabt habe. Die Europäer sind Erben ihrer eigenen Weltpolitik und in Zeiten von Internet und Co. retten sich die Menschen aus Kriegsregionen, in die wir zum Teil die Waffen geliefert haben. Es sei nicht verwunderlich, dass die Menschen dorthin gehen, wo ihr und das Leben ihrer Familien sicher sei.

Der anwesende Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration im Kreis Germersheim, Ziya Yüksel, betonte abschließend noch, dass in der Flüchtlingsdiskussion nun endlich auch kritische Stimmen beachtet und nicht länger ausgeblendet würden. Dies sei wichtig. Ferner machte er sich stark für ein Wahlrecht der Migranten auf kommunaler Ebene, wie es in der Wahlheimat von Ralf Stegner, in Schleswig Holstein, 1989 bereits auch für nicht EU-Bürger gefordert, aber vom Bundesverfassungsgericht 1990 abgelehnt wurde.

Die Kreisvorsitzende der SPD, Schleicher-Rothmund, schloss die Veranstaltung „Tafeln – Ehrenamt – Flüchtlingshilfe: Wir setzen uns ein!“ mit den Worten, dass in den kommenden Jahren eine große Integrationsaufgabe vor uns allen liegt. Und wörtlich: „Der heutige Tag hat aufgezeigt, wie gleichermaßen wichtig bei diesem Thema Tatkraft und Besonnenheit sind. Ich bedanke mich bei unserem kompetenten Redner für diesen anregenden Nachmittag und seinen ermutigenden Blick nach vorne.“