Auf Einladung von Barbara Schleicher-Rothmund und Dr. Dennis Nitsche hat Yasmin Fahimi, Generalsekretärin der SPD am 27. Oktober im Bürgerhaus Schaidt über gute Arbeit, Beschäftigungsperspektiven und Bildungspolitik gesprochen. In ihrer Begrüßung verwies Barbara Schleicher-Rothmund darauf, dass der faire Umgang von Arbeitnehmern und Arbeitgebern eine wesentliche Grundlage des Wohlstands in Deutschland sei. Es dürfe daher nicht geduldet werden, wenn diese bewährte Sozialpartnerschaft angegriffen oder ausgehöhlt werde. Dennis Nitsche verwies darauf, dass gute Arbeit mit fairen Löhnen wichtig sei – damit die Menschen ein gutes Leben führen können. Wichtig sei aber auch, dass es ja gerade die Steuern der Arbeitsnehmer seien, die das Bildungssystem finanzieren und damit die Fachkräfte ausgebildet werden, die Unternehmen dringend benötigen. Sozialdumping und Auslagerung von Arbeitsplätzen in den Niedriglohnsektor stelle damit die Menschen und die Gesellschaft vor erhebliche Probleme.

Mit großer Leidenschaft zeichnete Fahimi ein Bild von den Veränderungen des Arbeitslebens, auf die unsere Gesellschaft reagieren muss. Atypische Beschäftigung, zum Beispiel durch mobiles Arbeiten von zuhause und permanente Erreichbarkeit, aber auch prekäre Arbeitsverhältnisse, die nicht zum Leben reichen, waren wichtige Themen. „Es geht darum, wie wir es schaffen können, Freiheit zu erhalten“, betonte Yasmin Fahimi. Es dürfe nicht passieren, dass die Arbeitnehmer immer mehr Flexibilität zeigen müssten, aber dafür kein Ausgleich in Form von Sicherheit, Bezahlung oder Arbeitszeitkonten geschaffen werde. Besonders betonte Fahimi, dass nicht nur über Steuern Gerechtigkeit geschaffen werden müsse, sondern dass es auch um gerechte Verteilung von Arbeit gehen muss – damit nicht die einen untätig bleiben müssen, während die anderen rund um die Uhr schuften. Gerade auch die Ausspielung von Arbeitnehmern gegeneinander, insbesondere in Branchen wie Dienstleistung, Gastronomie oder Pflege müsse vermieden werden. Dazu sind Tarifverträge wichtig, aber auch die gleiche Bezahlung von Leiharbeit und die zeitliche Begrenzung von Leiharbeit. Fahimi betonte, dass derzeit rund 1,5 Millionen junge Menschen in Deutschland ohne qualifizierten Abschluss leben, die nur schwer in den Arbeitsmarkt zu integrieren seien. Erforderlich sei eine Integrationsoffensive, die auf Ausbildung vorbereitet und fehlende Kenntnisse vermittelt. Es sei nicht einzusehen, dass nach Schätzungen 300.000 qualifizierte Fachkräfte pro Jahr in Deutschland fehlen, aber gleichzeitig so viele Menschen vergessen werden. „Wir brauchen ein Investitionsprogramm für Qualifizierung. Das ist die Zukunftsfrage Deutschlands, wir dürfen unsere Zukunft nicht verspielen!“, mahnte Fahimi eindringlich. Zur beruflichen Integration gerade junger Menschen – und auch der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge – sei ein „Jahrzehnt der Integration“ erforderlich. „Das ist eine ur-sozialdemokratische Aufgabe, denn es geht darum, Menschen in die Lage zu versetzen, durch Bildung und Ausbildung das eigene Leben in die Hand nehmen zu können“, so Fahimi.
Ganz konkret forderte Dr. Nitsche mehr Flexibilität um die Herausforderungen meistern zu können. Er verwies auf die Initiative der BBS Germersheim/Wörth zur Schaffung einer eigenen Klasse für Flüchtlinge. „Wir müssen solche erfreulichen Initiativen unterstützen. Es geht darum, den Menschen zu helfen, möglichst rasch auf eigenen Beinen stehen zu können“, so Nitsche. Dazu wünscht er sich die Unterstützung aus Berlin und Mainz, damit vor Ort die erforderliche Arbeit auch getan werden kann. Barbara Schleicher-Rothmund dankte den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere den Gewerkschaftern für die engagierte und leidenschaftliche Debatte. „Wir stellen uns als SPD diesen schwierigen Fragen und entwickeln Antworten. Den Kopf in den Sand stecken und jammern, das überlassen wir anderen“, gab sich Barbara Schleicher-Rothmund kämpferisch.